Saarbrücken/Berlin, 06.05.2026. Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung zieht der Europaverband der Selbständigen – Deutschland (ESD) e.V. eine ernüchternde Zwischenbilanz aus Sicht der Soloselbständigen, Freiberufler sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Aus Sicht des Verbandes erschöpft sich die Politik der vergangenen Monate zu oft in Entlastungsrhetorik. Von einer konkreten Verbesserung ihrer Situation kann für viele Selbständige und kleine Unternehmen keine Rede sein.
„Für kleine Unternehmen entscheidet sich Wirtschaftspolitik nicht in Pressekonferenzen, sondern im Betriebsalltag. Dort geht es um Formulare, Nachweise, Meldepflichten, Kosten, Liquidität und verlässliche Entscheidungen. Nach einem Jahr Bundesregierung erleben viele Selbständige noch keinen Aufbruch, sondern weiter einen hohen Verwaltungsdruck und zu wenig Planungssicherheit“, erklärt Timo Lehberger, Präsident des ESD.
Das aktuelle ESD-Stimmungsbarometer bestätigt diese Einschätzung. An der Frühjahrsumfrage beteiligten sich mehrere hundert Selbständige, Freiberufler sowie Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen. 79 Prozent der Teilnehmenden bewerten die derzeitige wirtschaftspolitische Lage in Deutschland für Soloselbständige und kleine Unternehmen lediglich mit ausreichend, mangelhaft oder ungenügend. Nur 9 Prozent bewerten sie als gut. Die Note sehr gut wurde von keinem der Befragten vergeben.
Auch die Investitionsbereitschaft bleibt angespannt. 58 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihre Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. Nur 2 Prozent berichten von einer Verbesserung.
Besonders deutlich wird der Handlungsdruck beim Thema Bürokratieabbau. Im ESD-Stimmungsbarometer nennen 77 Prozent der Teilnehmenden reduzierte Dokumentationspflichten als eine der wichtigsten Maßnahmen. 58 Prozent fordern reduzierte Nachweispflichten, 44 Prozent eine bessere digitale Kommunikation mit Behörden und 40 Prozent vereinfachte Steuererklärungen.
„In kleinen Betrieben landet Bürokratie nicht in einer Fachabteilung, sondern direkt beim Inhaber. Jede zusätzliche Pflicht nimmt Zeit weg, die eigentlich für Kunden, Aufträge, Mitarbeiter oder die Weiterentwicklung des Betriebes gebraucht wird. Wer kleine Unternehmen ernsthaft entlasten will, muss genau dort ansetzen“, betont Lehberger.
Nach einem Jahr Bundesregierung erwartet der ESD eine stärkere Ausrichtung der Wirtschaftspolitik an der Realität kleiner Unternehmen. Entscheidend sei nicht die Zahl angekündigter Programme, sondern ob im Betrieb tatsächlich weniger Aufwand, schnellere Verfahren und mehr finanzieller Spielraum ankommen.