Der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung hat am 19. März 2026 gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Gesundheit im Saarland das sogenannte „Saarland-Modell“ in der saarländischen Landesvertretung in Berlin vorgestellt.
Ziel dieses Modells ist es, das Saarland zu einer Modellregion für neue, zukunftsfähige Gesundheitskonzepte zu entwickeln und innovative Versorgungsformen vor Ort zu erproben.
In diesem Zusammenhang stellen wir im Rahmen von ESD-Einblicke ein Projekt aus unserem Mitgliederkreis vor: die Kooperation zwischen der KUNESA GmbH aus Weiskirchen und der MEDIVISE Healthcare GmbH aus Berlin. Die beiden Kooperationspartner zeigen mit ihrem gemeinsamen Telemedizin-Konzept beispielhaft, wie unternehmerische Initiative, technologische Entwicklung und konkrete Versorgungsfragen zusammenkommen können.
KUNESA ist Hersteller hochwertiger Apotheken- und Hotelinterieurs. MEDIVISE Healthcare entwickelt telemedizinische Versorgungslösungen. Gemeinsam arbeiten beide Unternehmen an einem Konzept, das telemedizinische Anwendungen an einem physischen Ort bündelt: der Telemedizin-Box.
Telemedizin an einem festen Ort
Die Telemedizin-Box soll Patientinnen und Patienten einen niedrigschwelligen Zugang zu medizinischer Erstversorgung ermöglichen.
Über eine digitale Softwarelösung werden Terminbuchung, medizinische Ersteinschätzung und der Weg zur passenden Telemedizin-Box miteinander verbunden. Vor Ort erhalten Patientinnen und Patienten in einem persönlichen telemedizinischen Arztkontakt eine Befundung und Diagnose. Bei Bedarf kann auch eine elektronische Verordnung ausgestellt werden.
Der Arztkontakt kann optional mehrsprachig erfolgen. Die Lösung ist an die Telematikinfrastruktur angebunden und nutzt die elektronische Gesundheitskarte. Im Akutfall kann so eine fallabschließende Behandlung ermöglicht werden.
Erste Telemedizin-Boxen sind bereits in einzelnen Apotheken bundesweit installiert. Weitere Einsatzfelder ergeben sich etwa in ländlichen Regionen, in Kliniken, bei großen Arbeitgebern oder an stark frequentierten öffentlichen Orten wie Bahnhöfen und Flughäfen.
Auch in Kliniken kann ein solcher Ansatz zur Entlastung beitragen. Medizinische Bagatellfälle, die nicht zwingend eine Behandlung in der Notaufnahme erfordern, könnten telemedizinisch durch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte versorgt werden. Dadurch würden Klinikressourcen geschont und Patientinnen und Patienten schneller in die passende Versorgung geführt.
Weiterentwicklung über den Prototypenstatus hinaus
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen haben die Telemedizin-Boxen den Prototypenstatus inzwischen verlassen. Die Kabinen sind modular aufgebaut und können je nach Einsatzort und Bedarf angepasst werden.
Zu den genannten Merkmalen zählen ein barrierearmer Zugang, einfache Bedienbarkeit, hohe Hygienestandards und Schallschutz. Technisch kommen unter anderem Kamerasysteme zum Einsatz, die berührungslos Vitalwerte wie Puls und Atemfrequenz erfassen können. Perspektivisch sollen weitere Messwerte und KI-gestützte Anwendungen hinzukommen.
Damit verbindet das Konzept mehrere Entwicklungen, die für die zukünftige Gesundheitsversorgung relevant sind: Telemedizin, digitale Patientensteuerung, Künstliche Intelligenz und wohnortnahe beziehungsweise standortnahe Versorgung.
Entlastung für Praxen, Kliniken und Patientinnen und Patienten
Telemedizin kann insbesondere dort ein wichtiger Baustein sein, wo Versorgungsstrukturen unter Druck stehen: in ländlichen Räumen, in überlasteten Notaufnahmen, bei eingeschränkter ärztlicher Verfügbarkeit oder bei Patientinnen und Patienten, die schnelle Orientierung benötigen.
Die Telemedizin-Box verfolgt dabei den Ansatz, medizinische Ersteinschätzung, ärztlichen Kontakt und weitere Behandlungsschritte stärker zu strukturieren. In vielen Fällen kann eine Behandlung abschließend erfolgen. In anderen Fällen kann gezielt an eine Fachärztin, einen Facharzt oder eine Klinik verwiesen werden.
Aus Sicht des ESD zeigt dieses Beispiel, wie mittelständische Unternehmen, digitale Start-ups und regionale Innovationsstrukturen gemeinsam an praktischen Lösungen für gesamtgesellschaftliche Herausforderungen arbeiten können.
Saarland als möglicher Erprobungsraum
Im Zusammenhang mit dem „Saarland-Modell“ wird derzeit auch über mögliche Erprobungsstandorte im Saarland gesprochen. Denkbar wäre nach Angaben der Beteiligten etwa die Installation einer Telemedizin-Box an einer Universität oder einem Universitätsklinikum, verbunden mit digital- und versorgungswissenschaftlicher Begleitung.
Mögliche Forschungs- und Testfelder könnten unter anderem die Akzeptanz bei Nutzerinnen und Nutzern, der Einsatz bei vulnerablen Gruppen, Fragen der IT- und Datensicherheit, die Einbindung von KI sowie die Zusammenarbeit mit Arztpraxen, Apotheken und weiteren saarländischen Unternehmen sein.
Auch international stößt das Konzept auf Interesse. Für Vertreter aus dem Gesundheitsbereich und potenzielle Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird nach Angaben der beteiligten Unternehmen eine Präsentation der Telemedizin-Schnittstellen vorbereitet. Für die weitere Operationalisierung wurde die MEAVITAL AG eingerichtet. In saarländischen Weiskirchen kann ab sofort in einem Showroom eine aktuelle Variante der Telemedizinbox vorgeführt werden. MEDIVISE und KUNESA stellen die mittlerweile serientaugliche Telemedizinbox auf der diesjährigen Expopharm in München vor. Interessierte können sich auch dort vom 15. – 17. September 2026 tiefergehend über Anwendungsbereiche, Hard- & Softwarevarianten, Plattformen und Module, Support, Management und Finanzierungsmodelle informieren.
Darüber hinaus sind weitere öffentliche Auftritte gefixt:
30. September 2026 - 2. Digitalisierungskongress Saarland – Gesundheit 2030 in Saarbrücken gemeinsam mit dem saarländischen Partnerunternehmen für KI und IT-Sicherheit
16. – 19. November 2026 - MEDICA 2026 in Düsseldorf gemeinsam mit Partner Vodafone (Digitale Vernetzung und IoT-Lösungen im Gesundheitssektor) auf weltweit einer der größten B2B Messen für Medizintechnik
Weitere Informationen zur Kooperation, zum Konzept, zu Messeauftritten oder über Investorenbroschüren erhalten Interessierte bei:
Ein Beispiel aus unserem Mitgliederkreis
Für den ESD ist die Kooperation zwischen KUNESA und MEDIVISE ein gutes Beispiel dafür, welche Innovationskraft in den Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes steckt.
Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich, dass Innovation nicht allein durch politische Programme entsteht. Sie braucht Unternehmen, die Lösungen entwickeln, Risiken eingehen, investieren und neue Modelle praktisch erprobbar machen.
Deshalb stellen wir dieses Projekt im Rahmen von ESD Einblicke vor: als Beispiel für unternehmerische Initiative, für digitale Transformation im Gesundheitswesen und für die Rolle, die selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Modernisierung wichtiger Versorgungsbereiche leisten können.
Das „Saarland-Modell“ kann hierfür einen passenden Rahmen bieten, wenn innovative Konzepte nicht nur vorgestellt, sondern konkret getestet, wissenschaftlich begleitet und bei Erfolg in die Regelversorgung überführt werden.